VFH: Wie viel Bildschirmzeit ist zu viel?

Wie oft und wie lange sollten Kinder Medien nutzen? Diese Frage beschäftigt viele Eltern. Die Empfehlung von Fachinstitutionen für Babys und Kleinkinder unter drei Jahren lautet: Bildschirmfrei bis drei! Und auch danach sollten Medien nur in Maßen genutzt werden. Warum Fachleute dazu raten und welche Nutzungszeiten für welches Alter empfohlen werden, lesen Sie im Beitrag.

 Kinder sitzen auf einer Parkbank und schauen in ihr Smartphone.

Bequeme Lösung mit gefährlichen Folgen

Für viele Eltern ist der Umgang mit Bildschirmmedien – also Tablet, Smartphone, PC, Spielkonsole, Fernseher und Co. – in der Familie vermutlich ein besonders schwieriges Thema. Denn die Geräte als kurzfristige Entlastung im Familienalltag einzusetzen, ist zwar bequem, aber Eltern ist auch klar, dass zu viel Zeit vor Bildschirmen langfristig nicht gut für den Nachwuchs ist. Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Empathieverlust, schlechte Schulleistungen sowie Internet- und Computerspielsucht werden damit in Verbindung gebracht. Und das bestätigt auch die Wissenschaft.

Aber was bedeutet denn nun konkret zu viel Bildschirmzeit bei Kindern? Antworten hierauf liefert eine gemeinsame Empfehlung von zehn deutschen Fachverbänden aus Medizin und Psychologie sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – die sogenannte Medien-Leitlinie. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Erkenntnisse hieraus vor.

Bei Kindern bis drei: Bildschirmfrei!

„Bildschirmfrei bis drei“ bedeutet, dass Babys und Kleinkinder nach Möglichkeit überhaupt keine Zeit vor Bildschirmmedien wie Smartphone, Tablet, Spielkonsole und Fernseher verbringen sollten. Grund hierfür ist, dass Kinder in den ersten drei Jahren eine so große Entwicklung durchmachen wie danach niemals wieder. Hierfür benötigen sie reichlich ungestörte „analoge“ Spielzeit. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass die Kleinen so wenig wie möglich von der Bildschirmmedien-Nutzung anderer mitbekommen. Dass Babys und Kleinkinder die große Schwester beim Chatten am Smartphone, den Bruder beim Online-Shopping am Tablet oder Mama und Papa beim Fernsehschauen beobachten, sollte also so selten wie möglich vorkommen. Für die Großen gilt demnach: Sie können ein gutes Vorbild sein, indem Sie Bildschirmmedien selbst möglichst sparsam nutzen. Und wenn doch eine Nachricht beantwortet werden muss oder man einfach mal ein Video anschauen möchte – was im Übrigen völlig in Ordnung ist – dann am besten, wenn Babys oder Kleinkinder nicht dabei sind.

Für Kindergartenkinder gilt: Keine Bildschirmzeit ohne Eltern

Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sollten nur wenig Zeit vor Bildschirmen verbringen. Denn sie profitieren am meisten davon, wenn sie sich in der realen Welt bewegen und dort ihre Erfahrungen machen können. Je mehr Zeit sie vor einem Bildschirm sitzen, desto weniger Zeit bleibt ihnen logischerweise für wertvollere Beschäftigungen wie das Hantieren mit Bauklötzen, dem Ballspielen im Garten oder dem Basteln mit Freundinnen und Freunden. Begrenzen Sie die Bildschirmzeit Ihres Kindes also auf maximal 30 Minuten an einzelnen Tagen und sorgen Sie für komplett bildschirmfreie Tage dazwischen. Für die ersten Erfahrungen von Kindern mit Bildschirmmedien ist es auch wichtig, dass Sie sie als Eltern dabei begleiten. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Alter also möglichst nicht alleine vor dem Bildschirm. Wenn Sie schon früh klare Regeln im Zusammenhang mit der Nutzung von Fernseher, Tablet, Smartphone und Co. festlegen, kann das helfen, in den Jahren danach Stress und Streit zu vermeiden.

Auch für Grundschulkinder sollte die Bildschirmzeit begrenzt bleiben

Für Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren lautet die Empfehlung, dass sie in ihrer Freizeit maximal 30 bis 45 Minuten vor einem Bildschirm verbringen sollen. Und das ebenfalls möglichst nicht jeden Tag und immer in Begleitung der Eltern. Im Vergleich zu den Drei- bis Sechsjährigen liegt die Empfehlung hier also nur unwesentlich höher. Verlangt die Schule aber, dass zur Erledigung der Hausaufgaben der PC oder ein Tablet benutzt wird – und das kommt ja immer häufiger vor – zählt diese Zeit nicht zu den erwähnten 30 bis 45 Minuten dazu. Für Eltern empfiehlt es sich, auch beim Hausaufgabenmachen hin und wieder zu überprüfen, ob das Kind gerade tatsächlich über den Matheaufgaben brütet, den Deutschaufsatz schreibt oder nicht doch einen Film schaut oder am Computer oder Tablet spielt.

Die folgende Tabelle fasst die Empfehlungen zu den täglichen Mediennutzungszeiten – Bücher und Hörmedien inbegriffen – noch einmal zusammen:

Alter

Bilderbücher/Bilder

Hörmedien

(Musik oder Hörgeschichten)

Bildschirmmedien

(Fernsehen, Video, Computer, Spielekonsolen, Tablets, Smartphones)

unter 3 Jahre

regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen (ab etwa 6 Monate)

höchstens 30 Minuten

am besten gar nicht

3–6 Jahre

regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen

höchstens 45 Minuten

zusammen höchstens 30 Minuten

6–9 Jahre

regelmäßig vorlesen / lesen

höchstens 60 Minuten

zusammen höchstens 30–45 Minuten in der Freizeit

Quelle: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, kindergesundheit-info.de, https://www.kindergesundheit-info.de/themen/medien/alltagstipps/mediennutzung/hoechstdauer/, CC BY-NC-ND

Quelle: VerbraucherFenster Hessen