Regale voller Pflegeprodukte, Berge an Babykleidung und jede Menge Zubehör: Beim Einkauf für ein Baby scheint die Liste der notwendigen Anschaffungen schier endlos. Dabei brauchen Babys oft viel weniger, als die Werbung vermuten lässt. Welche einfachen Ideen den Familienalltag nachhaltiger machen können, Ressourcen schonen und dabei sogar Geld sparen, lesen Sie hier.
Bei Baby-Pflegeprodukten ist weniger mehr
Bei Baby-Pflegeprodukten gilt: Ein Baby braucht hiervon nur ganz, ganz wenig. Denn für die tägliche Pflege der kleinen Erdenbürger werden nur wenige Produkte und diese meist auch nur in kleinen Mengen benötigt. Für alle, die hier auf Nachhaltigkeit achten möchten, ist das also schon einmal eine gute Nachricht – und Geld lässt sich so auch sparen. Zu viele Pflegeprodukte wie Babyshampoo, Waschlotionen oder diverse Cremes sind für die zarte Babyhaut schlichtweg überflüssig und sogar eher schädlich.
Im Grunde sind für die Hautpflege von Babys Wasser, ein gutes Babyöl – am besten 100 % Pflanzenöl, zum Beispiel Mandelöl – und eine Wundschutzcreme für wunde Pos mit etwas Zink vollkommen ausreichend. Naturkosmetik-Produkte sind grundsätzlich eine gute Wahl, weil hier keine unnötigen und teilweise problematischen Zusatzstoffe enthalten sind. Noch besser ist es, wenn diese mit einem Bio-Siegel versehen sind. Wer auch die Verpackung berücksichtigen möchte, kann auf Produkte in Mehrweg- oder Glasverpackungen achten. Und wer gänzlich auf Verpackungen verzichten möchte und einen Unverpacktladen in der Nähe hat, der kann sich sein Babyöl direkt dort abfüllen lassen, etwa in eine leere, mitgebrachte Flasche.
Und was ist mit Feuchttüchern?
Feuchttücher zählen vermutlich zu den häufigsten Pflegeprodukten in Babyhaushalten und gleichzeitig auch zu den umstrittensten. Aus Nachhaltigkeitsgründen sollte man lieber so gut es geht auf sie verzichten – sie sorgen schließlich für einen ordentlichen Müllberg. Außerdem können ihre Inhaltsstoffe, die unter anderem für die Haltbarmachung der Tücher eingesetzt werden, Babypopos reizen. Für zu Hause auf der Wickelkommode reichen tatsächlich Waschlappen und eine Schale mit normalem Wasser völlig aus, um den Babypo zu reinigen.
Wer hauptsächlich unterwegs auf Feuchttücher setzt, kann auch hier alternativ Waschlappen in einem Gefrierbeutel mit Ziplock oder einem wasserfesten Kosmetikbeutel mitnehmen. Eine weitere Möglichkeit ist, die Feuchttücher einfach selbst herzustellen. Dafür können alte T-Shirts oder Handtücher in passende Stücke geschnitten und mit Wasser angefeuchtet werden. Diese können dann entweder direkt zu Hause verwendet oder für unterwegs eingepackt werden. Die selbstgemachten Feuchttücher lassen sich nach der Nutzung waschen und wiederverwenden. Eine ausführlichere Anleitung zum Selbermachen von Baby-Feuchttüchern finden Sie hier.
Wegwerfwindeln und Stoffwindeln
Wer an Windeln für Babys denkt, dem gehen vermutlich zuerst die herkömmlichen Wegwerfwindeln durch den Kopf. Das Problem bei ihnen: Sie verursachen einiges an Müll. Denn bis ein Kind trocken ist, verbraucht es ungefähr 5.000 bis 6.000 Wegwerfwindeln. Eine Alternative zu den Einwegwindeln sind die wiederverwendbaren Stoffwindeln. Die haben den Vorteil, dass man sie zu Hause waschen kann – das macht sie recht langlebig und kostengünstig. Außerdem fällt dadurch deutlich weniger Abfall an. Im Vergleich zu früher sehen die Stoffwindeln auch nicht mehr aus wie Wollunterhosen mit Gummibund, sondern es gibt mittlerweile viele Anbieter, die stylische Windelmodelle aus bunten Stoffen und hautfreundlichen Materialien herstellen. Stoffwindeln haben aber auch Nachteile: Zum Beispiel die geringere Saugkraft im Vergleich zu Einwegwindeln und die Tatsache, dass sie schneller auslaufen können. Zudem bedeuten sie definitiv mehr Arbeit für Eltern, da sie immer wieder gewaschen und getrocknet werden müssen. Die 60-Grad-Wäsche reicht hierfür vollkommen aus.
Babykleidung – tauschen, leihen, mieten, secondhand kaufen
Für die zarte Babyhaut eignen sich am besten Kleidungsstücke aus Naturmaterialien wie Hanf, Wolle, Baumwolle oder Holzfasern. Auf Kunstfasern wie Polyacryl oder Polyester sollte man der Gesundheit und Umwelt zuliebe eher verzichten. Denn in der Waschmaschine lösen sich schnell winzige Plastikfasern aus Kunstfaser-Kleidungsstücken heraus, die als Mikroplastik ins Abwasser gelangen können.
Wer auf nachhaltige Mode setzen möchte, sollte die verschiedenen Öko- und Sozial-Siegel im Blick haben. Sie können Hilfe und Orientierung bezüglich enthaltener Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau, fairer Herstellungsprozesse oder des Einsatzes von unschädlichen Färbemitteln bieten.
Ganz wichtig: Natürlich müssen Kleidungsstücke für Babys und Kleinkinder nicht neu sein, denn die Kleinen wachsen in Windeseile wieder aus den Teilen heraus. Zudem werden für die Herstellung – egal, ob nachhaltige Kleidung oder nicht – immer wertvolle Ressourcen verbraucht. Daher gilt: Die nachhaltigste Kleidung ist die, die nicht neu produziert worden ist.
Auf Kindersachenbasaren oder Online-Flohmärkten finden Eltern Babykleidung in Hülle und Fülle – oft nur selten getragen und zu viel günstigeren Preisen. Ein weiterer Vorteil von Secondhand-Kleidung: Möglicherweise ursprünglich enthaltene Schadstoffe sind bereits ausgewaschen.
Auch innerhalb der eigenen Familie, etwa zwischen Geschwisterkindern, oder unter Freunden und in der Nachbarschaft kann Kinderkleidung weitergegeben werden.
Darüber hinaus gibt es Online-Plattformen, die Leihkleidung anbieten – von Matschhosen über Strampler bis hin zu Bodys ist hier alles zu finden.
Das Gleiche gilt auch für Spielzeug
Was für Kleidung gilt, gilt ebenso für Spielsachen: Auch Spieluhr, Rassel, Spielbogen und Co. können selbstverständlich untereinander getauscht und weitergegeben werden. Am einfachsten geht das, wenn es in der Nachbarschaft oder im Freundes- und Bekanntenkreis Kinder unterschiedlicher Altersstufen gibt. Sind Babybuch und Mobile für das eine Kind mittlerweile uninteressant, freut sich bereits ein Nachzügler über die tolle neue Beschäftigung.
Auch ein Aushang in der Kita ist eine Möglichkeit, einen Tauschzirkel einzuberufen. In Form eines organisierten Tauschnachmittags können Spielzeuge direkt ausprobiert werden. Ganz nebenbei entstehen dabei oft auch neue Kontakte zwischen Familien.
Auf Kindersachenbasaren und Flohmärkten findet sich neben Kleidung außerdem oftmals auch eine riesige Auswahl an Spielzeug.
Nachhaltigkeit muss zum Familienalltag passen
Ein Baby wirbelt den Alltag erst einmal ordentlich durcheinander – und das ist völlig normal. Deshalb muss auch beim Thema Nachhaltigkeit nicht alles perfekt laufen. Oft sind es schon kleine Veränderungen, die einen Unterschied machen. Ob Stoffwindeln, Secondhand-Kleidung oder selbst gemachte Feuchttücher: Entscheiden Sie selbst, was zu Ihrer Familie passt, sich im Alltag unkompliziert umsetzen lässt und was Sie nicht zusätzlich unter Druck setzt. Jeder kleine Schritt zählt.
Quelle: VerbraucherFenster Hessen

